Kawai MP-9000

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Stagepiano aus der Schwergewichtsklasse

Das MP-9000 ist der Vorgänger des aktuellen MP-9500-Stagepianos. Es handelt sich also um ein transportables elektronisches Piano mit voller 88-Tasten-Klaviertastatur und Hammermechanik. Als Masterkeyboard lassen sich 4 Zonen (2x intern, 2x extern) verwalten und mit umfangreichen Einstellungen versehen.

Transportfähigkeit: Die schlechte Nachricht vorweg: Das MP-9000 ist mit Abstand das grösste und schwerste Instrument - abgesehen von meinem akustischen Klavier -, daß ich jemals hatte. Es wiegt 35 kg, wobei sich das Gewicht bei Transport in einem Flightcase aufgrund der Grösse um nochmals fast 10 kg erhöht. Da es bei einem Stagepiano nicht zuletzt auf eine gute Transportfähigkeit ankommt, ist dies sicherlich ein deutlicher Nachteil. Andere E-Pianos wie z.B. das Roland RD-700 dürften an die 10 kg leichter sein. Die Breite des Gerätes hält sich weitgehend im Rahmen; aber Tiefe und Höhe sind ebenfalls aussergewöhnlich hoch. Ohne eine vernünftige Sackkarre, einen Kombi und Hilfe beim Auf- und Abbau ist hier nicht viel zu bewegen, sofern man Respekt vor den eigenen Bandscheiben hat.

Tastatur: Grund für das erhebliche Gewicht und die Höhe des Gerätes ist die erheblich aufwändiger und massiver gestaltete Hammermechanik gegenüber vergleichbaren Geräten. Hier wurde nicht die Standard-Fatar-Tastatur mit kurzen und raumsparenden Hämmern eingebaut, sondern eine kompromisslose Mechanik wie in den teuren Kawai-Digitalpianos für's Wohnzimmer. Als Dank für das erhöhte Gewicht gibt es das meiner Ansicht nach beste Spielgefühl, das der Stagepianomarkt zur Zeit bietet. Während sich viele andere Stagepianos in erster Linie durch die Anpassung des Klanges an die Tastatur unterscheiden, lassen sich hier die guten Eigenschaften auch am ausgeschalteten Gerät spüren.

Klang: Als Stagepiano mit dem besten Flügelsound wird oft das GEM Pro Mega 3 gerühmt, das gute Samples und Physical Modelling kombiniert, um die Schwingphase der Saiten zu berechnen. Ich habe das Pro Mega mal gespielt und muß dem zustimmen; der Klang ist tatsächlich sehr lebendig. Der Flügel-Klang des MP-9000 wirkt dagegen etwas kühler, ist aber immer noch sehr gut. Er beruht auf äußerst aufwändigen Samples kombiniert mit einem Effekt, der das Mitschwingverhalten anderer Saiten simuliert. Der Sound "Piano1" klingt sehr voll und ist perfekt auf die Tastatur abgestimmt. Über einen guten Stereo-Verstärker mit entsprechender Lautstärke gespielt, kann man hier schon annähernd einen Spielspaß wie auf einem akustischen Instrument entwickeln. Das MP-9000 besitzt 4 weitere Pianosounds in guter Auswahl, unter anderem einen etwas moderner klingenden Flügel, einen dumpf (mellow) klingenden Flügel und ein spitz klingendes Rock-Piano. Die Zusammenstellung der Pianosounds ist sehr gelungen und deckt die meisten Anwendungsbereiche schon gut ab. Sehr gut ist auch das Rhodes-Sample (E-Piano1), während der Wurlitzer und DX7-Sound eher Durchschnitt sind. Weitere Sounds sind Clavinet, Strings, Chor, 2 Orgeln und ein Vibraphon. Mit entsprechenden Effekten versehen, klingen Clavinet und Vibraphon sehr gut; die übrigen finde ich eher mäßig. Strings und Chor sind offensichtlich bewußt für den Einsatz als Layersounds zum Piano vorgesehen und dazu auch besser geeignet als für den Einzeleinsatz.

ImageBedienung: Die Bedienbarkeit des MP-9000 ist sehr gut gelungen! In erster Linie stehen hier 4 Slider und 4 Drehknöpfe zur Verfügung. Die 4 Slider sind jeweils einer Zone (intern1, intern2, extern1, extern2) zugeordnet, wobei sich damit das Lautstärkeverhältnis der Zonen mixen lässt. Unterhalb der Slider befindet sich jeweils ein Knopf zur Aktivierung der Zone. Damit sind bereits grundlegende Möglichkeiten zur übersichtlichen Steuerung eines mittleren Midi-Setups gegeben. Über die Knöpfe oberhalb der Slider wird festgelegt, welche der Zonen für die Einstellung weiterer Parameter gerade aktiv ist.
Die 4 Drehregeler sind 4fach belegt, wobei die Funktion über einen Button (vergleichbar der Bedienung der Korg-Triton-Drehregler) bestimmt wird. Es gibt 4 Modi: Effektparameter, Equalizer, Tonparameter (Cutoff, Resonance usw.) und frei belegbare Midi-Controller. Insbesondere die Möglichkeit, direkt in die Soundparameter eingreifen zu können, finde ich sehr nützlich und bei Stagepianos selten. Z.B. lässt sich über den Cutoff sehr schön ausjustieren, wie spitz und knackig das Clavinet klingt.
Weiterhin hilfreich sind das Pitch- und das Modulationwheel sowie eigene Buttons zur Aktivierung von Hall und Effekt.

Sonstiges: Erwähnenswert finde ich 2 zusätzliche XLR-Ausgänge für's Mischpult, die bereits mit einer DI-Box versehen sind und nicht auf den Lautstärkeregler reagieren. Ausserdem gibt es Anschlussmöglichkeiten für zusätzlichen Fußtaster und Fußschweller, die (pro Setupprogramm) mit beliebigen Midi-Controllern belegbar sind.

Fazit: Wer Freunde zum Anpacken hat oder das Gerät nur selten aus dem Proberaum tragen muß, erhält hier ein Stagepiano mit aussergewöhnlich gutem Spielgefühl und hochwertigem Sound im Piano-Bereich. Nebenbei läßt sich damit sehr gut das übrige Midi-Equipment bedienen. Ausserdem: Sackkarren gibt's in jedem Baumarkt; sogar in klappbarer Bauweise, damit sie gut hinter'n Beifahrersitz passen.

aktualisiert am 18.01.2008 um 21:01 Uhr
© Timo Dickscheid
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