Musik Soul/Funk

Hinweis: Diese Seite wird im Augenblick nicht mehr aktualisiert, bleibt aber zu Archivzwecken bestehen. Informationen zu meinen aktuellen Arbeiten enthält meine Seite bei der Uni Bonn.

Note: I do not update these pages currently but will keep them as an archive. If you're interested in my current work please visit my website at the University of Bonn.

ImageHerbie Hancock - Thrust (1974). Die Nachfolge-Platte des legendären "Headhunters"-Debut-Albums (das ich natürlich genauso empfehle). Diese Quintett - Hancock, Bennie Maupin, Paul Jackson, Mike Clark und Bill Summers - hat nach Meinung vieler den Funk erfunden. Die ersten Funk-Aufnahmen Hancocks waren damals als Spinnerei verschrien; tatsächlich sind sie aber ein Beweis für Hancocks Innovativität. Wenn man sich beim Hören der nur 4 Songs (die aber lang sind!!!) bewusst macht, dass die Platte fast 30 Jahre alt ist, kann man es schlicht nicht fassen. Herbie spielt hier Analog-Synthesizersounds von Rhodes, Clavinet, Arp und Co., die heute wieder absolut angesagt sind. Von den Grooves können sich heute noch die Funkbands was abgucken! Mein Favorit ist "Butterfly".

John Scofield - A gogo (1998). Zur Vorgeschichte dieser Platte habe ich folgendes gelesen: Scofield's Tochter hat wohl einmal ein Konzert des angesagten New Yorker Funktrios Medesk, Martin &Wood gesehen und dem Altmeister der Jazzgitarre gesagt: "Solche Musik müsstest du mal machen!". Worauf Scofield die Jungs anrief, die gerade Urlaub in irdendeinem Dschungel machten, und fragte, ob sie eine Platte mit ihm aufnehmen wollten. Das Ergebnis ist eine absolut kurzweilige Funk-Scheibe, auf der Scofield und MMW zeigen, was Spass am Musikmachen ist. John ließ jedem Musiker viel Freiraum für Soli, der vor allen Dingen von Keyboarder John Medeski richtig ausgekostet wird. Ich würde mal gerne wissen, wie viele Gigs Medeski braucht, bis seine Hammond zusammbricht...

The Meters - Anthology (1969-1977). Anthology ist eine Doppel-CD mit über 40 bekannten und weniger bekannten Stücken der Meters. Die Band besteht zum grossen Teil aus Musikern der heutigen Band "Neville Brothers". Ich habe lange nach einer Platte der Band gesucht und habe hiermit so etwas wie ein seltenes Komplettwerk erstanden. Die Band gestaltete die erste Funk-Bewegung in New Orleans mit und wurde mittlerweile etliche Male als Samplevorlage für Hip-Hop-Songs benutzt. Im Gegensatz zu den obige Aufnahmen klingen die Meters erheblich luftiger, einfacher und eingängiger. Die Musik ist Spass pur und regt unmittelbar zum Tanzen an. Die Sounds sind fast durchgängig ähnlich, und trotzdem ist jedes Stück erneut eine Überraschung. Unglaublich sind die unerschöpflichen Grooves von Drummer Joseph Zigaboo Modeliste. Kennt jemand weitere Aufnahmen von ihm???? Dann nichts wie mir zumailen.

ImageTower of Power - Tower of Power (1973). Ich muß meine bisherige Aussage korrigieren: Obwohl mit dem Bandnamen betitelt, ist dies nicht das Debutalbum der Band. In der Discographie tauchen weitere auf; das sind wenigstens "East Bay Grease" (1970) und "Bump City" (1972).
Tower of Power sind eine 10köpfige Band und spielen seit mittlerweile 30 Jahren unkonventionellen Funk und Soul mit witzigen Grooves und monstermässigen Bläser-Fill-Ins. Trotz häufig gewechselten Besetzungen ist der Kern der Band immer dabei gewesen, das sind vor allen Dingen der Bariton-Saxophonist "Doc" Kupka, Trompeter Greg Adams, Tenor-Saxer Emilio Castillo und Bassist Francis Rocco Prestia. Letzterer ist allerdings kürzlich schlimm erkrankt (nähere Infos dazu auf der Tower-of-Power-Website).
Aufgrund der langen Zeit klingen heutige Platten ganz anders als Platten aus den 80ern, und die frühen Platten sind nochmal ein Kapitel für sich. Die frühen 70er-Aufnahmen, zu denen diese hier gehört, zeichnen sich durch einen sehr trockenen und groovigen Sound aus, der die Musik der eher live-orientierten Band sehr gut abbildet. Insbesondere Bass und Drums klingen hier sehr natürlich; die drahtigen und knackigen Bass-Sounds wurden später - den Zeiten entsprechend - viel schwerer und lastiger abgemischt.
Auf diesem Album ist die Originalaufnahme des ToP-Klassikers "What is hip?" als Opener enthalten. Dieser Klassiker stellt bis heute einiges an Groove und Druck in den Schatten ,was das Genre Funk zu bieten hat. Die in 16teln durchlaufenden Basslines und die explosiven Bläser-Fills sind einfach unglaublich! Das typische Feeling erhält das Stück jedoch durch den - auf dem ganzen Album durchweg gelungenen - glasklaren und eher "kühlen" Gesang. Die restlichen Songs sind aber ebenfalls durchgängig sehr gut; die Zusammenstellung von funkigen, souligen und einfühlsamen Stücken ist einfach gelungen. Besonders erwähnenswert ist übrigensh Drummer David Garibaldi, der einige Jahre nach diesem Album die Band verließ; gegen Ende der 90er aber wieder eingestiegen ist.

aktualisiert am 18.01.2008 um 21:01 Uhr
© Timo Dickscheid
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